Die Vorgänge um die blockierte Vorlesung von Bernd Lucke an der Uni Hamburg werfen ein Schlaglicht auf die Situation an deutschen Universitäten. Wenn die dortige Universitätsleitung das Niederbrüllen von Professoren, das tätliche Angehen und Beleidigen sowie Schlägereien im Hörsaal euphemistisch als diskursive Auseinandersetzung bezeichnet, ist dies nur ein weiterer Beleg dafür, dass etwas schief läuft – dem demokratischen, freiheitlichen und intellektuellen Anspruch unseres Landes und unserer Bildungseinrichtungen wird dies jedenfalls in keiner Weise gerecht und ist letztlich überaus beschämend.

„Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei“

heißt es in Art. 5 Abs. 3 GG so schön. Natürlich sind Lucke im Speziellen und die AfD im Allgemeinen streitbare Persönlichkeiten. Wer jedoch statt eben darüber zu streiten, lieber Antipluralismus, Arroganz und einen unbändigen Absolutheitsanspruch propagiert, ist kein Verfechter demokratischer Grundprinzipien, sondern nur ein Faschist unter der Maske des vermeintlichen Demokraten. Das Blockieren, Beleidigen und Niederbrüllen von Vorlesungen war auch in den dunkelsten Stunden unserer Geschichte, dem Dritten Reich, Mittel der Wahl um missliebige Studenten und Professoren „zur Vernunft zu bringen“.

Wenn der Hamburger AStA-Vorsitzende als Germanist (!) sich anmaßt beurteilen zu können, dass die Lehrmeinung des Wirtschaftsprofessors Lucke erwiesenermaßen falsch sei, so als gebe es nur eine einzig wahre Lehre, scheint er wohl die kirchliche Inquisition im Mittelalter parodieren zu wollen. Gott sei Dank haben wir uns jedoch seit den Denkverboten bei Galileo Galilei und anderen großen Denkern weiterentwickelt und wissen, dass Forschung und Wissenschaft vom Diskurs leben. Nicht umsonst stellt auch der AStA fest, dass es „eine Neutralität sowie eine endgültige Wahrheit (…)  insbesondere in den Sozialwissenschaften nicht geben“ kann. Während viele daraus in treu-doofer Manier jedoch den Schluss ziehen alle (Lehr-)meinungen zu unterjochen, die dem eigenen Weltbild zuwiderlaufen, sollte man jedoch vielleicht eher getreu dem Kant’schen „sapere aude“ über seinen Schatten springen und den wissenschaftlichen Austausch in der Universität sowie den Meinungsaustausch in der Politik hochhalten.

„Solange man miteinander redet, schießt man nicht aufeinander“, wusste schon Hans-Dietrich Genscher. Die gegenwärtigen und in diesem Fall totalitären Entwicklungen sollten wir zum Anlass nehmen uns auf die Grundprinzipien unserer Republik zurückzubesinnen: Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit.