Auch wenn Kennedy mit seiner Aussage den Nagel auf den Kopf trifft, scheint diese Erkenntnis in den grünen Ministerien für Finanzen aber auch Wissenschaft noch nicht verbreitet zu sein. Dies zeigt sich eindrücklich an den aktuellen Verhandlungen für den Hochschulfinanzierungsvertrag. Es geht dabei um nicht weniger als die Zukunft Baden-Württembergs als Wissenschaftsstandort und Innovationsträger. Die Universitäten und Hochschulen sind die Keimzelle des Fortschritts und legen damit die Basis unseres Wohlstands von morgen.

Insofern ist es höchst bedenklich, wenn man trotz gegenteiliger Bekenntnisse („Wir Grüne bauen auf die Kraft einer freien und kreativen Wissenschaft und bieten unseren Hochschulen Verlässlichkeit.“, https://www.gruene-bw.de/themen/wissenschaft-kultur/) nun an der dafür notwendigen Finanzierung rüttelt.

In den letzten 20 Jahren sind die Landesmittel pro Student faktisch um 33 % gesunken. Allein um die Kaufkraft zu erhalten bedürfte es einer Erhöhung von 3.540€ pro Kopf (https://nosciencenofuture.de/unterfinanz.html). Im gleichen Zeitraum stiegen die Steuereinnahmen inflationsbereinigt um 49%. Angesichts der Tatsache, dass die Universitäten mit wachsenden Anforderungen wie Digitalisierung, besserer Betreuung von Doktoranden aber auch stark gestiegenen Studentenzahlen konfrontiert sind, ist eine solide Grundfinanzierung wichtiger denn je.

Erforderlich ist ein garantierter Inflationsausgleich, um für die Universitäten Planungssicherheit zu gewährleisten. Daneben müssen die Mittel aber auch den gestiegenen Studentenzahlen Rechnung tragen. Selbstredend muss natürlich eine passende Abbildung von Betriebs- und Energiekosten erreicht werden. Veraltete Pauschalen reichen nicht aus. Nicht zuletzt müssen die Herkulesaufgaben Digitalisierung und der Abbau des Sanierungsstaus mit entsprechenden Mitteln ausgestattet werden.

Gleichwohl dürfte es eher auf das Gegenteil hinauslaufen. Im Zuge der allgemeinen Haushaltseinsparungen drohen herbe Einbußen im Hochschulfinanzierungsvertrag. Obwohl die Unis einen Bedarf von ca. 600 Mio. angemeldet haben, scheint im Moment die Bereitschaft vorhanden zu sein nur einen Bruchteil davon zu bewilligen.

Dies hat jedoch immense Konsequenzen. Allein die Uni Freiburg hat bereits seit langem ein strukturelles Finanzierungsdefizit (http://www.pr.uni-freiburg.de/pm/2019/senat-veroeffentlicht-stellungnahme). Nachdem nun auch noch der Status als Exzellenzuniversität und damit wertvolle Mittel verloren gingen, dürfte eine Unterfinanzierung durch das Land die Lage nur noch weiter verschärfen. Gleichwohl erleben wir Studenten bereits jetzt die Auswirkungen solcher Finanzierungslücken. So wird nicht nur das Zentrum für Schlüsselqualifikationen sukzessive zusammengestrichen, sondern auch an Lehrbüchern, Tutoraten und Ähnlichem gespart.

Angesichts dieser Entwicklungen fordern wir ein klares Bekenntnis zu den Universitäten und einer ausfinanzierten Hochschullandschaft. Lehre und Forschung entwickeln sich nicht nach dem Schema von Haushaltsjahren und benötigen langfristige Planungssicherheit. Der Hochschulfinanzierungsvertrag ist die entscheidende bildungspolitische Weichenstellung der nächsten Jahre und sollte auch die entsprechende Aufmerksamkeit bekommen. Alles andere wäre nicht nur fahrlässig und das Gegenteil der politischen Versprechen, sondern kostet uns – um es mit den Worten Kennedys zu sagen – in der Zukunft auch bares Geld. Denn Wissen ist die Ressource von morgen und sollte dementsprechend in weiser Voraussicht gefördert werden.