Die Nutzung elektronischer Semesterapparate muss möglich bleiben!

Ab dem 1. Januar 2017 tritt eine neue Rahmenvereinbarung zwischen der VG Wort (ein Zusammenschluss von Autorinnen und Autoren sowie Verlagen, der Tantiemen aus Zweitnutzungsrechten einnimmt und weitergibt) und der Kulturministerkonferenz (KMK) in Kraft. Die neue Rahmenvereinbarung regelt die Abrechnung von elektronisch verfügbar gemachten urheberrechtlich geschützten Werken, etwa in elektronischen Semesterapparaten, entsprechend § 52 a  des Urheberrechtsgesetzes. Die Rahmenvereinbarung sieht vor, dass Dozenten jeden verwendeten Text bei der VG Wort über ein Online-Formular einzeln melden müssen – für jede Veranstaltung einzeln, jedes Semester erneut und unter Angabe der Teilnehmerzahlen. Auf dieser Basis sollen die Hochschulen dann eine entsprechende Vergütung an die VG Wort bezahlen.

„Bisher war es für die Uni und uns Studenten schön einfach: Zeitschriftenartikel und Auszüge aus Büchern durften bislang auf ILIAS für den Zeitraum einer Lehrveranstaltung zum Download zur Verfügung gestellt werden. Dafür zahlten die Bundesländer eine Pauschale an die VG Wort“, erklärt Laura Davina Gillich, Vorsitzende des RCDS Freiburg. Die überwiegende Mehrheit der deutschen Hochschulen ist inzwischen aufgrund von in einem Pilotprojekt an der Universität Osnabrück gewonnenen Erkenntnissen der Auffassung, dass der mit der Einzelerfassung verbundene Gesamtaufwand nicht vertretbar ist. Deshalb hat sich auch die Universität Freiburg entschieden, betroffene Texte ab dem 1. Januar nicht mehr online, sondern nur noch als Kopiervorlage in den Seminaren oder der UB zur Verfügung zu stellen.

„Dem Wort Kopiervorlage sollte eigentlich nur noch historische Bedeutung zukommen: Eine Lehre ohne Digitalisierung bedeutet einen herben Rückschritt. Im Jahr 2017 muss eine unbürokratische digitalisierte Lehre selbstverständlich sein“, so Laura Davina Gillich. Die Rektoren der Universitäten haben es trotz vereintem Widerstand nicht geschafft sich mit der VG Wort auf eine neue Regelung für eine rationale und pragmatische Methode der Abrechnung zu einigen. Wir finden: Es ist an der Zeit, dass sich die Studenten stärker in die Diskussion einbringen müssen – schließlich geht es hier um unser Studium! Wir fordern deshalb die KMK und den Bund dazu auf, gegenüber der VG Wort für eine unbürokratische Lehre einzutreten und die Einführung der Einzelerfassung bei der Nutzung urheberrechtlich geschützter, wissenschaftlicher Schriften weiterhin zu verhindern.